{"id":1490,"date":"2026-09-08T17:10:08","date_gmt":"2026-09-08T15:10:08","guid":{"rendered":"https:\/\/mathphys.info\/?page_id=1490"},"modified":"2026-09-14T14:12:50","modified_gmt":"2026-09-14T12:12:50","slug":"chronik-der-studentenprozesse-von-ws-77-78-bis-ws-80-81","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unshitmyfuck.mathphys.info\/home\/geschichte\/chronik-der-studentenprozesse-von-ws-77-78-bis-ws-80-81\/","title":{"rendered":"Chronik der Studentenprozesse von WS 77\/78 bis WS 80\/81"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.17.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; background_color=&#8220;#990000&#8243; custom_margin=&#8220;0px||0px||false|false&#8220; custom_padding=&#8220;20px||20px||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.17.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_margin=&#8220;0px||0px||false|false&#8220; custom_padding=&#8220;10px||16px||false|false&#8220; 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Sie erwarten eine Information, die es ihnen erm\u00f6glicht, sich im Institut zurechtzufinden und ins Studium einzusteigen. Statt dessen erhalten sie eine verwirrende Zusammenstellung der verschiedensten Pl\u00e4ne der Professoren, das Studium zu versch\u00e4rfen, wobei die Pl\u00e4ne als schon durchgesetzte Tatsachen dargestellt werden. Prof. Dr. C. Gerhardt<span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/www.mathphys.info\/geschichte\/chronik-der-studentenprozesse-von-ws-77-78-bis-ws-80-81\/pics\/g1.jpg\">(Bild)<\/a>, frisch aus Bonn, stellt sich vor. Er liest die Analysis I Vorlesung. Ein junger dynamischer Professor, der erkl\u00e4rt, er erwarte, dass die Studenten auch dynamisch sind und 60 Stunden in der Woche lernen, ausserdem ziehe er zur Scheinvergabe eine Klausur in Erw\u00e4gung.<\/p>\n<p><strong>18.10.77<\/strong><br \/>Erste Vorlesungsstunde in Analysis I. C. Gerhardt gibt Literaturempfehlungen von sich; die Literaturliste enth\u00e4lt B\u00fccher im Werte von ca. 250 DM. Als wesentliche Grundlage seiner Vorlesung benennt er den Dieudonne (58 DM) \u2013 auf franz\u00f6sisch allerdings billiger, \u2013 und Serge Lang. Auf die Fragen von Studenten, ob er nicht einige billigere Standardwerke empfehlen k\u00f6nnte, wie z.B. Endl-Luh oder Erwe: \u201eEndl-Luh \u2013 kenne ich nicht\u201c und der Erwe (9,80 DM) sei zu \u201etrivial\u201c; bei den Mathematikprofessoren beliebter Ausdruck f\u00fcr: primitiv, platt, abgedroschen und bis zum \u00fcberdruss bekannt.<\/p>\n<p><strong>Oktober \u2013 November 77<\/strong><br \/>Nun wird den Erstsemestern h\u00f6here Mathematik \u201ebeigebracht\u201c, neben Analysis noch insbesondere Topologie. \u201eSie verstehen den Beweis nicht, lesen sie ihn im Dieudonne, S\u2026 nach!\u201c Als Hilfe das Unverst\u00e4ndnis zu brechen, k\u00fcndigt Gerhardt eine Klausur an. Einige Studenten bilden ein Vorlesungskollektiv. Sie schreiben den nebenstehenden offenen Brief gegen die Klausur an Gerhardt, der von \u00fcber 100 Studenten der Vorlesung unterschrieben wird.<\/p>\n<p><strong>6.12.77<\/strong><br \/>Ein Student als Nikolaus verkleidet, verteilt in der Analysis I Vorlesung die Scheine an die Studenten und an Prof. Gerhardt eine Rute (Symbol f\u00fcr die Gewalt der Professoren). Gerhardt zeigt sich immer noch nicht zu einer Diskussion bereit.<\/p>\n<p><strong>9.12.77<\/strong><br \/>Das Vorlesungskollektiv verteilt ein Flugblatt, in dem zur Beratung der notwendigen Schritte aufgerufen wird und erste Kampfschritte eingeleitet werden, um die an Weihnachten geplante Klausur zu verhindern. Nachdem Gerhardt sich immer noch auf Stur stellt, wird die 2. Stunde von der \u00fcbergrossen Mehrheit der Studenten boykottiert und zur Beratung genutzt.<\/p>\n<p><strong>Anfang Dez.<\/strong><br \/>Das Vorlesungskollektiv f\u00fchrt eine Umfrage durch \u00fcber das Verst\u00e4ndnis der Vorlesung. 97,9% der Studenten (142) haben Schwierigkeiten den Vorlesungsstoff zu verstehen; nur 3 antworten, sie h\u00e4tten keine! Ein einziges Mal wird geantwortet: \u201eprinzipiell f\u00fcr Klausuren\u201c.<\/p>\n<p><strong>20.12.77<\/strong><br \/>Das Vorlesungskollektiv bringt in einem neuen Flugblatt die Ergebnisse der Diskussion zum Ausdruck: \u201c \u2026 dass wir eine Klausur auf jeden Fall ablehnen und auch bereit sind, weiterhin die Klausur mit allen Mitteln zu verhindern.\u201c Es wird zu einer erneuten Beratung nach der Vorlesung aufgerufen. Gerhardt sieht sich gen\u00f6tigt, die Klausur auf nach Weihnachten zu verschieben, in der Hoffnung \u00fcber die Ferien die Front aufzubrechen.<\/p>\n<p><strong>Januar 78<\/strong><br \/>Die Klausur wird wieder verschoben, diesmal auf die letzte Semesterwoche, also ende Februar. Das Vorlesungskollektiv und die Fachschaft organisieren ein \u201eAnti-Klausur-Fest\u201c, es werden Plaketten angefertigt und verkauft, die die Ablehnung der Klausur zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p><strong>Februar 78<\/strong><br \/>W\u00e4hrend einer Vollversammlung beschliessen die H\u00f6rer der Vorlesung Analysis I, die Klausur zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>6.2.78<\/strong><br \/>Als am Fastnachtsmontag Claus Gerhardt nicht auf die Vorlesung verzichten will, h\u00e4ngt eine Wandzeitung, von bunten Luftballons getragen, an der H\u00f6rsaaldecke. Gerhardt sieht kein Land er verschiebt die Klausur nochmals, diesmal auf Anfang des Sommersemesters; seine Hoffnung: w\u00e4hrend der Semesterferien sind die Studenten vereinzelt, jeder denkt sich, vielleicht gelingt es nicht die Klausur zu verhindern, jeder lernt, Spaltung gegl\u00fcckt. So weit seien Vorstellung. Da einige Studenten den Schein noch vor dem 2. Semester brauchen, schafft er es immerhin 3 oder 4 Studenten zu zwingen, \u201ein einem repressionsfreien Gespr\u00e4ch\u201c, bei ihm eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung abzulegen.<\/p>\n<p><strong>April 78<\/strong><br \/>In den Semesterferien taucht die \u201eEinladung\u201c zur Klausur am 6.4. im Grossen H\u00f6rsaal Chemie um 14:00 Uhr auf; kurz danach h\u00e4ngt eine Einladung zum \u201eKlausurfest\u201c daneben. Wegen des Physikpraktikums zum angesetzten Termin wird die Klausur (diesmal endg\u00fcltig) auf den 7.4. in den Grossen H\u00f6rsaal Physik verschoben.<\/p>\n<p><strong>7.4.78<\/strong><br \/>Die H\u00f6rerschaft versammelt sich vor dem H\u00f6rsaal. Dort wird eine Resolution gefasst und das \u201eKlausurlied\u201c gesungen. Gerhardt, in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Freiherrn von Waldenfels, zieht alle Register der Spaltung, der Sch\u00fcchterung, des Zwangs und der Drohung: \u201eKeine Macht der Welt kann mich dazu zwingen, die Scheine ohne Klausur zu vergeben.\u201c W\u00e4hrend seiner Akrobatik gehen ihm die Klausurbl\u00e4tter \u201everloren\u201c. Sein Assistent Alt steht ihm hilfreich zur Seite, mit dem Original in der Hand sieht Gerhardt sich gezwungen, die Aufgaben an die Tafel zu schreiben. Schliesslich ist es ihm gelungen 39 Studenten zur Klausur zu pressen. Draussen wird nach kollektiver L\u00f6sung der Aufgaben beraten und beschlossen in den H\u00f6rsaal zu gehen und die L\u00f6sung zu verteilen. Claus Gerhardt h\u00e4lt es f\u00fcr besser, die Klausur abzubrechen. Er erh\u00e4lt die von 100 H\u00f6rern unterschriebene Aufforderung, die Scheine aufgrund der \u00dcbungsaufgaben zu verteilen.<\/p>\n<p><strong>11.4.78<\/strong><br \/>Gerhardt gibt bekannt, dass er die Klausur werten will. Von den 39, die mitgeschrieben haben, sind 7 durchgefallen! Sein Angebot: Die Studenten schreiben w\u00e4hrend dem Semester 3 bis 4 \u201eTests\u201c (\u201eum das Reizwort Klausur zu vermeiden\u201c) und wenn sie die alle bestanden haben, bekommen sie beide Scheine, sowohl f\u00fcr Analysis I, wie f\u00fcr Analysis II. Seine Bedingungen um auf Verhandlungen einzugehen: Die Studenten sollen sich von ihrer Fachschaft und dem KBW distanzieren. Die Studenten beschliessen eine Urabstimmung \u00fcber die Bestreikung der Vorlesung bis zur Herausgebe der Scheine oder bis zum 15.4. durchzuf\u00fchren und weisen sein \u201eAngebot\u201c als Unversch\u00e4mtheit zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>12.4.78 \u2013 14.4.78<\/strong><br \/>Es taucht ein<span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/mathphys.fsk.uni-heidelberg.de\/w\/wp-content\/uploads\/don_g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Steckbrief<\/a><span>\u00a0<\/span>an verschiedenen Stellen im Institut auf, der Gerhardt vollends der L\u00e4cherlichkeit preisgibt. Er wird sp\u00e4ter noch Gegenstand einer Strafanzeige werden.<\/p>\n<p><strong>14.4.78<\/strong><br \/>Die Vorlesung wird noch w\u00e4hrend der Urabstimmung bestreikt. Diese \u201eMacht der Welt\u201c zwingt Gerhardt die Scheine rauszugeben \u2013 der Zusammenschluss der Studenten! Er erkl\u00e4rt, dass er auf die \u201eTests verzichtet\u201c und die Scheine rausgibt, weil er sonst bef\u00fcrchtet, dass seine Vorlesung gar nicht mehr stattfindet. Er gibt den Termin bekannt, wann die Scheine abgeholt werden k\u00f6nnen. Auf Druck der H\u00f6rer erkl\u00e4rt Gerhardt, keine Straf-, bzw. Ordnungsverfahren einleiten zu lassen. Dazu gibt es leider kein Dokument, weil er diese Zusage nur m\u00fcndlich machte. Eine schriftliche Feststellung w\u00e4re besser gewesen, wie es sich zeigen sollte.<\/p>\n<p><strong>22.5. \u2013 29.5.<\/strong><br \/>\u201eAm Institut werden Fachschaftswahlen durchgef\u00fchrt. Die Wahlbeteiligung steigt gegen\u00fcber den letzten Wahlen erheblich. In der Physik auf ca. 25% (absolut), in der Mathe auf ca. 20% (absolut). Die Wahlen f\u00fchren zu dem Ergebnis, dass von der Fachbereichsguppe 6 Kandidaten gew\u00e4hlt werden, vom MSB 1 (in Mathematik), in Physik werden die Kandidaten der Fachbereichsgruppe gew\u00e4hlt. Die Wahlen sind haupts\u00e4chlich auf der Grundlage durchgef\u00fchrt worden, dass die Studentenbewegung das Koalitionsrecht braucht und das Landeshochschulgesetz beseitigt werden muss. Auch an der anderen Fachbereichen werden zu dieser Zeit erfolgreich Fachschaftswahlen gegen das Verbot des Rektorats durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>6.6.78<\/strong><br \/>Claus Gerhardt, das Rektorat und die Staatsanwaltschaft halten die Zeit reif, die \u201eS\u00e4uberungsaktion\u201c am Mathematischen Institut anlaufen zu lassen. 5 Anzeigen gegen Fachschaftsvertreter wegen der Aktionen bei der missgl\u00fcckten Klausur werden den Betroffenen zugestellt und somit bekannt. Diese Anzeigen stossen bei den Studenten auf helle Emp\u00f6rung, die mit Klopfen und H\u00e4mmern auf den B\u00e4nken ausgedr\u00fcckt wird. Gerhardt weigert sich dazu Stellung zu nehmen oder gar die Anzeigen zur\u00fcckzuziehen \u2013 nachdem er mit seiner Vorlesung nicht mehr durchkommt, bricht er sie ab. W\u00e4hrenddessen werden die Strafanzeigen am ganzen Institut bekannt gemacht, in den verschiedenen Vorlesungen werden Resolutionen zur Zur\u00fccknahme der Strafanzeigen gefasst. Professor Leicht f\u00fchlt sich bem\u00fcht, die Wandzeitung, die dazu aufgeh\u00e4ngt ist, gegen den Widerspruch von 30- 40 Studenten abzureissen. Um dies machen zu k\u00f6nnen, pr\u00fcgelt er auf Studenten ein; alles nur f\u00fcr die \u201eFreiheit der Wissenschaft\u201c. Es werden von zahlreichen Vorlesungen Erkl\u00e4rungen gegen die Strafanzeigen verabschiedet.<\/p>\n<p><strong>7.6.78<\/strong><br \/>Fachschaftsleiter Tobias Br\u00fcckner schreibt einen Brief an die Professoren \u2013 einen Brief, in dem das Verhalten des Professoren Leicht kritisiert wird und die Professoren h\u00f6flich aufgefordert werden, auf ihre beiden Kollegen, Gerhardt und Leicht, einzuwirken, etwas f\u00fcr die Verbesserung des \u201ePolitischen Klimas am Institut\u201c zu unternehmen, d.h. die Strafanzeigen zur\u00fcckzunehmen und sich bei den entsprechenden Studenten zu entschuldigen.<\/p>\n<p><strong>8.6. \u2013 9.6.78<\/strong><br \/>Das Vorlesungskollektiv f\u00fchrt eine Urabstimmung \u00fcber einen Streik mit der Forderung: \u201eR\u00fccknahme der Strafanzeigen\u201c durch.<\/p>\n<p><strong>9.6.78<\/strong><br \/>Die H\u00f6rer \u00fcbergeben CG eine Stellungnahme, in der sie das Herausgreifen von \u201eR\u00e4delsf\u00fchrern\u201c verurteilen. Da CG zu keiner Diskussion bereit ist, lassen sich die Studenten die Vorlesung nicht bieten; Gerhardt verlegt die Vorlesung auf 17 Uhr nachmittags; dort erscheinen dann 13 Studenten.<\/p>\n<p><strong>8.6. \u2013 14.6.78<\/strong><br \/>Eine Unterschriftensammlung zur Zur\u00fccknahme der Strafanzeigen wegen angeblicher \u201eR\u00e4delsf\u00fchrerschaft\u201c wird durchgef\u00fchrt; Es unterschreiben 213 Studenten aus der Vorlesung.<\/p>\n<p><strong>13.6.78<\/strong><br \/>Die Vorlesung wurde bis 12.00 Uhr mit den bekannten Mitteln verhindert. Die lautstarke Ablehnung, die Vorlesung h\u00f6ren zu wollen, wird nach einer Diskussion mit Ex-Institutdirektor J\u00e4ger beendet, da J\u00e4ger den Studenten zusagt, die Angelegenheit auf der Fakult\u00e4tskonferenz zur Sprache zu bringen. Voraussetzung daf\u00fcr sei, dass die Vorlesung ihren \u201eguten Willen\u201c dokumentiere. Die 2. Vorlesungsstunde findet vor 4 Studenten statt. W\u00e4hrenddessen schreiben die anderen eine Erkl\u00e4rung an die Fakult\u00e4tskonferenz, in der sie die R\u00fccknahme der Strafanzeigen fordern. Es treffen die ersten Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen ein. Die Fachschaft Biologie schreibt: \u201e\u2026 Wir bef\u00fcrworten den Klausurenboykott und die von der Fachschaft geleistete Unterst\u00fctzung als einen wichtigen Schritt zur Abwehr der st\u00e4ndig zunehmenden Studienversch\u00e4rfungen, in diesem Falle in Form einer zus\u00e4tzlich eingef\u00fchrten Klausur. Nachdem diese durch den gemeinsamen Widerstand der Studenten verhindert worden ist, stellt die strafrechtliche Verfolgung einiger weniger stellvertretend f\u00fcr viele den hilflosen Versuch dar, den Tribut f\u00fcr den errungenen politischen Erfolg der Studentenschaft m\u00f6glichst hoch zu treiben, um damit von \u00e4hnlichen Aktionen in der Zukunft abzuschrecken.\u201c Die Hilfswissenschaftler h\u00e4ngen eine Erkl\u00e4rung aus, unter der sie Unterschriften sammeln. Mehr als 30 Hilfswissenschaftler unterschreiben diese Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p><strong>14.6.78<\/strong><br \/>Der m\u00e4chtige Druck auf die Fakult\u00e4tskonferenz veranlasst diese nach stundenlanger Debatte zu beschliessen, eine Delegation zum Rektor zu schicken, die auf die R\u00fccknahme der Strafanzeigen hinwirken soll. Das Rotieren der Professoren auf dieser Fakult\u00e4tskonferenz dokumentiert sich in einer Zitatensammlung, die wir uns die M\u00fche gemacht haben, zu erstellen.<\/p>\n<p><strong>15.6.78<\/strong><br \/>Das Rektorat zieht dem Staatsanwalt nach: 8 Studenten (alles Mitglieder der Fachschaft) erhalten ein befristetes Hausverbot f\u00fcr alle Gerhardt Veranstaltungen, Relegationsverfahren werden angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p><strong>16.6.78<\/strong><br \/>Dekan M\u00fcller gibt in der Vorlesung das Ergebnis der Fakult\u00e4tskonferenz bekannt. Er wird von der Vorlesung aufgefordert bis Freitag, den 23.6., \u00fcber die Verhandlungen zu berichten.<\/p>\n<p><strong>20.6.78<\/strong><br \/>Vorlesung findet ungeh\u00f6rt statt. Anzahl der H\u00f6rer: eine, wie das Bild ausreichend dokumentiert. Es finden die Vorbereitungen f\u00fcr die Demonstration statt, die durchgef\u00fchrt werden soll, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen und Druck auf die \u201eVerhandlungen\u201c der Delegation mit dem Rektor Niederl\u00e4ndern auszu\u00fcben. Sp\u00e4ter, bei Bekanntwerden der weiter hinten abgedruckten Briefe sollte sich endg\u00fcltig herausstellen, dass die Verhandlungen nur Besprechungen \u00fcber das taktisch geschickteste Vorgehen der Staatsbeamten waren.<\/p>\n<p><strong>22.6.78<\/strong><br \/>Demonstration im Neuenheimer Feld, Kundgebung am Uni-Platz<\/p>\n<p><strong>23.6.78<\/strong><br \/>Das Ultimatum ist abgelaufen. Dekan M\u00fcller gibt das \u201eScheitern\u201c der Verhandlungen mit dem Rektor bekannt<span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/www.mathphys.info\/geschichte\/chronik-der-studentenprozesse-von-ws-77-78-bis-ws-80-81\/pics\/g2.jpg\">(Bild)<\/a>. Die Studenten sollen nach ihm jetzt auf die Gerichte vertrauen und auf milde Urteile hoffen, aber auf jeden Fall nichts mehr unternehmen. Dieser Gefallen wird ihm nicht getan. Die Studenten verlangen nach wie vor die Einstellung aller Straf- und Ordnungsverfahren. C. Gerhardt erweist sich als unf\u00e4hig, den H\u00f6rsaal durch Rausschmeissen einzelner zu leeren; es scheitert daran, dass er nicht alle Namen weiss. Daraufhin verl\u00e4sst er freiwillig den H\u00f6rsaal. Zu dem Zeitpunkt ist noch nicht bekannt, dass am selben Tag ca. 10 weitere Strafanzeigen (es ist der 2. Stoss) die Fachschaftsmitglieder Mathematik und Physik erreichen. Teilweise 2 in einem Kuvert.<\/p>\n<p><strong>27.6.78<\/strong><br \/>Nach kurzer Diskussion mit C.G. verlassen bis auf 7 Studenten alle die Vorlesung. Als C.G. versucht, die H\u00f6rsaalt\u00fcr zu schliessen, um so eine reibungsfreie Vorlesung durchzusetzen, gelingt es ihm und Dekan M\u00fcller nicht, zu verhindern, dass die meisten Studenten wieder hineingehen. M\u00fcller k\u00fcndigt seine nie dagewesene Freundschaft auf: \u201eJetzt haben Sie mich zu ihrem Feind. Jetzt mache ich Meldung\u201c. In Ermangelung von Vorw\u00e4nden: die Fachschaftsmitglieder waren ausgesperrt, wird ein t\u00e4tlicher Angriff Gerhardts auf den Fachschaftsvertreter Matthias Staab benutz, um Anzeigen wegen Hausfriedensbruch, N\u00f6tigung und evtl. K\u00f6rperverletzung vorzubereiten und einzuleiten \u2013 nat\u00fcrlich gegen M. Staab, keineswegs etwa gegen C. Gerhardt. Gerhardt, jedenfalls, sieht sich veranlasst, die Vorlesung wieder abzubrechen und zieht sich mit einem Sch\u00fctzling zu einer seiner h\u00e4ufigen Privataudienzen zur\u00fcck. Nachmittags findet eine Mathematikerversammlung statt, auf der die Lage vor den Semesterferien beraten wird und Beschluss gefasst wird, daran zu arbeiten eine Streikfront am ganzen Institut aufzubauen. Es werden Arbeitsgruppen zu den Themen: Dokumentation, Theaterst\u00fcck, DPO, Baf\u00f6g, LHG und SFB gebildet.<\/p>\n<p><strong>30.6.78<\/strong><br \/>Die Vorlesung f\u00e4llt wegen \u201eKrankheit\u201c von Claus Gerhardt aus. Die H\u00f6rer der Vorlesung beraten mit der Fachschaft das weitere Vorgehen. Der Beschluss der Versammlung wird unterst\u00fctzt, Arbeitsgruppen werden gebildet.<\/p>\n<p><strong>6.7.78<\/strong><br \/>3. Schwung von Strafanzeigen geht den Fachschaftsvertretern zu, insgesamt sind es bis jetzt ca. 30 St\u00fcck (das genaue nachz\u00e4hlen \u00fcberlassen wir dem Staatsanwalt).<\/p>\n<p><strong>11.7.78<\/strong><br \/>Das Rektorat traut sich, einen Vorstoss zu unternehmen. Der Fachschaftsraum wird geschlossen, die Inanspruchnahme f\u00fcr die Interessen der Studentenbewegung ist verboten. Die Professoren glauben, es sich erlauben zu k\u00f6nnen, nicht gegen die Schliessung Stellung zu nehmen. Noch am selben Tag werden mehr als 40 Unterschriften f\u00fcr die \u00d6ffnung des Fachschaftsraums gesammelt. Senats \u201eAStA\u201c- Vertreter von RCDS und ADH erkl\u00e4ren \u201eRecht muss Recht bleiben, mit den Anzeigen ist es schon richtig, wenn gegen Recht verstossen wurde\u201c. Ihre dementsprechenden AStA-Infos verschwinden.<\/p>\n<p><strong>September<\/strong><br \/>6 Professoren, allen voran Puppe geben eine Erkl\u00e4rung \u201egegen die Strafanzeigen\u201c heraus. Bei genaueren Hinsehen kann man erkennen, dass auch diese nur ein Man\u00f6ver zur Spaltung der Studentenbewegung sind. Viel Aussicht hat dieser Versuch so nicht. Der Brief ist im Teil: \u201eAlles f\u00fcr die Freiheit der Wissenschaft\u201c abgedruckt. Das Rektorat man\u00f6vriert.<\/p>\n<p><strong>2.9.78<\/strong><br \/>Die Brosch\u00fcre der Fachschaft<\/p>\n<p><strong>25.9.78<\/strong><br \/>Die Einleitungsbeh\u00f6rde f\u00fcr Hochschulermittlungsverfahren stellt beim Rektor den Antrag auf Ordnungsmassnahmen gegen Tobias Br\u00fcckner (4. Semester), Tibor Tscheke, Thomas Lutz, Herrmann Burmester (2. Semester) und Heinrich M\u00fcller (1 Semester Relegation von der Universit\u00e4t Heidelberg).<\/p>\n<p><strong>7.10.78<\/strong><br \/>Demonstration gegen Prozesse. Die Polizei versucht Tibor zu verhaften.<\/p>\n<p><strong>9.10.78<\/strong><br \/>Rektor Niederl\u00e4nder spricht 4 Relegationen aus. Tobias (3 Semester), Herrmann, Tibor und Thomas (2 Semester) und Henry (1 Semester) aus.<\/p>\n<p><strong>1. Woche des Wintersemesters 78\/79<\/strong><br \/>Prof. Leicht h\u00e4lt in diesem Semester die Vorlesung Lineare Algebra II. Er macht deutlich, dass er im letzten Semester der unterlegene war und jetzt um so mehr prinzipiell auf dem Schreiben einer Klausur besteht. Ihm geht es im weiteren st\u00e4ndig ums Prinzip; wenigstens eine Klausur will er durchsetzten. Ca. 30 Studenten wollen die Vorlesung h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>18.10.78<\/strong><br \/>Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren gegen Tibor ein, als verantwortlichen Redakteur der Brosch\u00fcre vom 2.9.78. Grund: Abdruck der Aussage<span>\u00a0<\/span><a href=\"https:\/\/www.mathphys.info\/geschichte\/chronik-der-studentenprozesse-von-ws-77-78-bis-ws-80-81\/pics\/g3.jpg\">(Bild)<\/a><span>\u00a0<\/span>Gerhardts vor dem Staatsanwalt. Staatsanwaltschaft fragt beim KUMI an, ob wegen dem Abdruck des Steckbriefs Strafanzeige gestellt werden soll.<\/p>\n<p><strong>19.10.78<\/strong><br \/>Diskussionsveranstaltung der Fachschaft im H\u00f6rsaal -104.<\/p>\n<p><strong>26.10.78<\/strong><br \/>Von den Vorlesungsteilnehmern wird eine Erkl\u00e4rung ausgearbeitet, die mit 30 Unterschriften Leicht \u00fcbergeben wird. In der Erkl\u00e4rung sprechen sich die Studenten gegen eine Klausur aus. Mit dem Hinweis, dass durch andere Vorlesungen und Praktika jeder ziemlich belastet ist, wurde verlangt, nicht mehr als 40% gel\u00f6ste \u00fcbungsaufgaben f\u00fcr den Erwerb des Scheins anzusetzen.<\/p>\n<p><strong>2.11.78<\/strong><br \/>Es findet eine Diskussion mit Prof. Leicht statt. Leicht bekommt die Erkl\u00e4rung \u00fcberreicht. Trotzdem beharrt er auf seiner Klausur. Er versucht professorenhaft-v\u00e4terlich zu beschwichtigen; jeder, der fleissig mitarbeitet, wird keine Schwierigkeiten haben, die Klausur zu bestehen.<\/p>\n<p><strong>9.11.78<\/strong><br \/>Die Vorlesungsteilnehmer beschliessen eine Fragebogenaktion, um festzustellen, wie die Stimmung ist und was gegen die Klausur getan wird. Von 24 Studenten bef\u00fcrworten 21 den Boykott der Klausur. Viele sprechen sich auch f\u00fcr einen Warnstreik und f\u00fcr eine Urabstimmung aus.<\/p>\n<p><strong>10.11.78<\/strong><br \/>KUMI antwortet auf die Anfrage der Staatsanwaltschaft vom 18.10.78 und beauftragt sie, Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Tibor zu stellen. Die Rechtsanw\u00e4lte der Fachschaft erheben vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe Klage gegen die Relegation und stellen gleichzeitig den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage, was bedeutet, dass die Relegationen bis zur Entscheidung des Gerichts unwirksam w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>20.11.78<\/strong><br \/>Anklageschrift gegen Tibor.<\/p>\n<p><strong>23.11.78<\/strong><br \/>Dekan der Physik schreibt einen Brief an Henry, dass er als Relegierter sich nicht in der Uni aufhalten.<\/p>\n<p><strong>29.11.78<\/strong><br \/>Anklage gegen Matthias Staab wird erhoben.<\/p>\n<p>DPO-Hearing der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik. Leitung: Prof. Puppe. Ausserdem Frau Seidelmann vom Rektorat. Die Professoren meinen, man k\u00e4me um eine Regelstudienzeit nicht herum, weil sonst das KUMI eine oktroyieren w\u00fcrde, die vielleicht noch schlimmer w\u00e4re. Als zwei Relegierte sich zu Wort melden wollen, werden sie hinausgeschmissen. Puppe droht die Veranstaltung abzubrechen, wenn die Relegierten nicht gingen. Um die Veranstaltung zu retten, blieb den anwesenden Studenten nichts anderes \u00fcbrig, als ihre Kommilitonen zu bitten, dem Rausschmiss zu folgen, was diese dann auch taten.<\/p>\n<p><strong>Anfang 12.78<\/strong><br \/>Prof. Puppe (einer der Mitunterzeichner der Erkl\u00e4rung gegen Strafanzeigen) meldet dem Rektor den Vorfall beim DPO-Hearing. Es werden neue Strafanzeigen gestellt. Daraufhin findet ein Gespr\u00e4ch zwischen Puppe und ca. 50 Studenten statt. Puppes Standpunkt: Loyalit\u00e4t zum Rektor und zu Gesetz und Ordnung. Man macht aus, eine Stellungnahme gegen neue Strafanzeigen auch mit anderen Professoren zu diskutieren und dann weiterzukommen.<\/p>\n<p><strong>2.12.78<\/strong><br \/>Die studentischen Vertreter im Fakult\u00e4tsrat Mathematik stellen den Antrag, dass ihnen wieder ein Raum zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Abstimmungsergebnis: 4:5:2 abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag, dass der FKR diesen Wunsch prinzipiell unterst\u00fctze, wegen des \u201ederzeitigen Standes der Situation\u201c selbst keinen Raum zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>11.12.78<\/strong><br \/>Rektorat nimmt gegen\u00fcber dem Verwaltungsgericht zur Klage der Fachschaft gegen die Relegation Stellung.<\/p>\n<p><strong>13.12.78<\/strong><br \/>Fakult\u00e4tskonferenz Physik setzt eine Kommission zur Bearbeitung der DPO ein. Die Studenten bilden einen DPO-Arbeitskreis, an dem zeitweise 30 \u2013 40 Studenten teilnehmen. Ergebnis der Arbeit der Kommission: Keine Regelstudienzeit, ein zus\u00e4tzlicher Seminarschein f\u00fcrs Diplom. Die FKK [Fakult\u00e4tskonferenz] beschliesst den Vorschlag nicht, sondern schiebt alles auf die lange Bank, nur der Seminarschein wird eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>19.12.78<\/strong><br \/>Anklage wegen MPK [MathPhysKommentar] 14.4. gegen Tibor.<\/p>\n<p><strong>Dezember 78<\/strong><br \/>Das Klausurenproblem scheint ausgestanden zu sein. Leicht \u00e4ussert sich nicht dazu. In der letzten Vorlesungsstunde vor Weihnachten verlangt Leicht von den H\u00f6rern einen Terminvorschlag f\u00fcr eine Klausur. Er erwartet, dass sich alle \u00fcber Weihnachten mit der Klausur abfinden und auch eifrig darauf lernen. Beschl\u00fcsse der Studenten gegen die DPO (MPK Anfang 79)<\/p>\n<p><strong>9.1.79<\/strong><br \/>Fortsetzung des Puppegespr\u00e4chs von Anfang Dezember. Puppe will nicht \u00fcber Strafanzeigen diskutieren.<\/p>\n<p><strong>10.1.79<\/strong><br \/>Durch das Inkrafttreten einer neuen Lehramtspr\u00fcfungsordnung (LPO), die die Landesregierung diktiert hat, \u00e4ndern sich die Pr\u00fcfungsanforderungen f\u00fcr Lehramtskandidaten. Interessierte Kreise sinnen nach, wie dies am Fachbereich umgesetzt werden k\u00f6nnte. Wie \u00fcblich wird zu diesem Zweck eine Kommission eingesetzt.<\/p>\n<p><strong>17.1.79<\/strong><br \/>Verwaltungsgericht Karlsruhe entscheidet \u00fcber den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage gegen die Relegation. Die Relegation von Tobias und Tibor werden voll aufrecht erhalten. Die Relegation von Henry wird ganz aufgehoben, bei Thomas und Herrmann wird sie von zwei auf ein Semester herabgesetzt.<\/p>\n<p><strong>23.1., 25.1. und 30.1.79<\/strong><br \/>Polizeieins\u00e4tze an der Mensa gegen Wandzeitungen.<\/p>\n<p><strong>Januar 79<\/strong><br \/>Ein Klausurtermin wurde von den H\u00f6rern nicht vorgeschlagen. Es wurde deutlich gemacht, dass keiner an der Klausur mitschreibt. Um die ganze Frage endg\u00fcltig zu erledigen, einigte man sich auf ein Sonder\u00fcbungsblatt, das dann am 22. Januar herauskam. Das Sonder\u00fcbungsblatt sollte \u201ezur Wiederholung\u201c dienen, ob es als scheinrelevant zu betrachten ist, war nicht klar. Dennoch l\u00f6ste die Mehrzahl dieses Blatt in einem gesetzten Zeitlimit und alle erreichten mehr als 50%. Nicht zuletzt durch dieses \u00fcbungsblatt erreichte Leicht, dass die H\u00f6rerzahl st\u00e4ndig geringer wurde.<\/p>\n<p><strong>Januar \u2013 Februar 79<\/strong><br \/>Leicht versucht dennoch mit aller Gewalt einen Kausurentermin anzusetzen. Die H\u00f6rer nehmen ihn langsam nicht mehr ernst.<\/p>\n<p><strong>12.2.79<\/strong><br \/>Leicht gibt vor einer reduzierten Teilnehmerzahl bekannt, dass er am darauffolgenden Donnerstag die Klausur schreibt. Zur selben Zeit schreiben die Hauptfachmathematiker mit Nebenfach Volkswirtschaft eine Klausur in diesem Fach.<\/p>\n<p><strong>15.2.79<\/strong><br \/>Vor dem Klausurtermin beraten sich die Studenten in der Cafeteria. Kein einziger zeigte sich bereit, die Klausur mitzuschreiben. Prof. Leicht sitzt eine Stunde allein im H\u00f6rsaal. In der zweiten Vorlesungsstunde h\u00e4lt er \u2013 fast wie normal \u2013 seine Vorlesung. Am Ende setzt eine Diskussion ein, in deren Verlauf er einen Studenten aus dem Saal verweist, einem anderen androht, ihn als \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c weiterzumelden. Die Scheine werden nur vergeben, wenn eine weitere Klausur mitgeschrieben wird, bzw. eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung stattgefunden hat. Leicht hat sich w\u00e4hrend der ganzen Zeit nie darum gek\u00fcmmert, wie der Stand der \u00fcbungsgruppen ist, insbesondere, ob die H\u00f6rer die erforderliche Punktzahl erreicht haben. Tats\u00e4chlich erzielt jeder mehr als die 112 Punkte, das sind zwei gel\u00f6ste Aufgaben pro \u00fcbungszettel.<\/p>\n<p><strong>Semesterferien<\/strong><br \/>Nachdem zwei Stammessen in der Mensa angeboten worden waren, eines zu 1,60 eines zu 1,80 wird zu Beginn der Ferien das billigere Stammessen gestrichen, angeblich wegen Arbeits\u00fcberlastung in den Ferien, das billigere wird aber nie wieder eingef\u00fchrt. Das Studentenwerk ver\u00f6ffentlicht auch keine Zahlen, die zur Begr\u00fcndung der Erh\u00f6hung dienen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Anfang SS 79<\/strong><br \/>In der ersten Vorlesung f\u00fcr die Erstsemester wird auch \u00fcber die Frage einer Klausur diskutiert. Blonski will gerne eine schreiben. Auf heftigen Widerspruch der Studenten hin und auf die Erkl\u00e4rung von Prof. Klingmann, der Analysis I liest, er werde keine schreiben, nimmt er dieses Vorhaben zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>2.5.79<\/strong><br \/>Zweites DPO-Hearing der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik. Leiter: Busam. Ergebnis: Man beschliesst die Studenten sollen eine Unterschriftensammlung gegen die Regelstudienzeit durchf\u00fchren. Von vielen Unterschriften gegen die Regelstudienzeit w\u00fcrden sich die Professoren \u201ein ihrem Abstimmungsverhalten beeinflussen lassen\u201c. Die Unterschriftensammlung wird durchgef\u00fchrt es unterschreiben ca. 100 Diplomstudenten.<\/p>\n<p><strong>30.5.79<\/strong><br \/>Beschluss des FKR Mathematik zu Klausuren: Klausuren werden prinzipiell erlaubt, es werden einige organisatorische Regelungen festgelegt, an die der Dozent sich halten sollte. H\u00e4lt der Dozent sich an die Regeln, wird sein Vorhaben von der Fakult\u00e4t unterst\u00fctzt. Ansonsten kann ein Dozent nat\u00fcrlich immer machen, was er will.<\/p>\n<p><strong>8.6.79<\/strong><br \/>Zum ersten Mal seit Jahren gibt es wieder ein grosses Math-Phys-Fest in der Angewandten Mathematik. Prof. Puppe erh\u00e4lt die \u201egoldene Tarnkappe\u201c als Preis f\u00fcr die beste Verarschung der Studenten. Versehentlich zahlt Puppe 20 DM in die Kasse der Fachschaft ein. Trotz heftiger Bem\u00fchungen kann er es nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Prof. M\u00fcller erh\u00e4lt als Dekan die \u201esilberne Tarnkappe\u201c und Prof. Leicht den Trostpreis.<\/p>\n<p><strong>13.6., 20.6.79<\/strong><br \/>DPO-Mathe im Fakult\u00e4tsrat<\/p>\n<p><strong>11.6.79<\/strong><br \/>Verwaltungsgericht fordert Verteidigung und Uni zur erneuten Stellungnahme zur Klage gegen Relegationen auf.<\/p>\n<p><strong>15.6.79<\/strong><br \/>Verteidigung gibt die Stellungnahme ab.<\/p>\n<p><strong>18.6.79<\/strong><br \/>Blonski (Lineare Algebra I) f\u00e4ngt die Klausurendiskussion neu an, obwohl seine H\u00f6rer sich inzwischen klar dagegen ausgesprochen haben. Ausserdem gibt es Ger\u00fcchte, er wolle benotete Scheine herausgeben. Ende der Diskussion: In diesem Semester keine Klausur, im n\u00e4chsten eine erneute Diskussion dar\u00fcber. Die allerdings findet nie statt.<\/p>\n<p><strong>20.6.79<\/strong><br \/>Der Fakult\u00e4tsrat diskutiert und verabschiedet eine neue DPO ohne Regelstudienzeit f\u00fcr das Diplom. Ansonsten k\u00f6nne einige der zus\u00e4tzlich geplanten Pr\u00fcfungsanforderungen noch abgeschw\u00e4cht werden. Es bleibt: Regelstudienzeit von 5 Semestern f\u00fcr das Vordiplom, Festlegung des 3. Scheins auf Praktische Mathematik, eine zus\u00e4tzliche Pr\u00fcfung im Diplom.<\/p>\n<p><strong>25.6. \u2013 29.6.79<\/strong><br \/>Es finden gemeinsame Fachschaftswahlen statt bei Physik, Mathematik, Anglistik, Germanistik, Dolmetscher- Institut und Jura. Wahlbeteiligung: Mathematik 22,8%, Physik 30,7%. Beides deutlich h\u00f6her als im vorigen Jahr, obwohl die Fachschaften keine offiziellen Organe mehr sind und der Rektor die Durchf\u00fchrung der Wahlen in der Universit\u00e4t verboten hatte. Dar\u00fcber hinaus schickte er seine Rektorenspitzel Berg und Kahl los, um Wahlurnen zu beschlagnahmen und Namen von Studenten f\u00fcr Anzeigen zu sammeln.<\/p>\n<p><strong>28.6.79<\/strong><br \/>Tibor erh\u00e4lt Mitteilung durch die Staatsanwaltschaft Heidelberg wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt am 7.12.78. Universit\u00e4t gibt eine Stellungnahme ab.<\/p>\n<p><strong>3.7., 4.7.79<\/strong><br \/>Fakult\u00e4tsratswahlen, Senatsastawahlen und Wahlen zum kleinen Senat finden statt. Die Wahlbeteiligung bei den Fakult\u00e4tsratswahlen waren deutlich geringer als die bei den Fachschaftswahlen (Mathe 14%, Physik 17,2%). Im Senatsasta bekommt die \u201eListe f\u00fcr AStA und Fachschaften\u201c, die gemeinsame Liste der Heidelberger Fachschaften, 6 der insgesamt 14 Sitze. Sie verfehlt die absolute Mehrheit um weniger als 50 Stimmen.<\/p>\n<p><strong>18.7.79<\/strong><br \/>Anklageschrift gegen Tobias wegen 8 mal Hausfriedensbruch und 4 mal N\u00f6tigung. Angeklagt ist die Teilnahme an den Aktionen gegen die Klausur und die Nichteinhaltung des Hausverbotes (Relegation).<\/p>\n<p><strong>21.7.79<\/strong><br \/>Symposium des SFB 123.<\/p>\n<p><strong>6.8.79<\/strong><br \/>Gegen Tobias wird ein weiteres Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil er \u201esich vor dem Haupteingang des Instituts f\u00fcr Mathematik\u201c aufgehalten habe. Das Verfahren wird sp\u00e4ter wieder eingestellt.<\/p>\n<p><strong>24.9.79<\/strong><br \/>Anklageschrift gegen Tobias wegen 6fachen Hausfriedensbruch (Nichteinhaltung des Hausverbots).<\/p>\n<p><strong>12.10.79<\/strong><br \/>Antwort des Dekans der Physik auf den offenen Brief der Fachschaftsvertreter bei einem Gespr\u00e4ch. In allen wichtigen Fragen geht der Dekan einer Antwort aus dem Weg.<\/p>\n<p><strong>Semesterferien 79<\/strong><br \/>Offener Brief der Fachschaft Physik an Dekan M\u00fcnnich zu den Studienbedingungen und zur Frage eines Fachschaftsraums.<\/p>\n<p><strong>15.10.79<\/strong><br \/>Beginn des Prozesses gegen Matthias Staab wegen der Gerhardt-Auseinandersetzung. Vernehmung der Zeugen der Anklage M\u00fcller, J\u00e4ger und Alt. Wie jedes Jahr findet die offizielle Einf\u00fchrungsveranstaltung f\u00fcr Erstsemester statt. Prof. Dold leitet sie. Zum ersten Mal seit Jahren gestattet Prof. Dold der Fachschaft, regul\u00e4r als Fachschaft im Rahmen der Einf\u00fchrungsveranstaltung zu den Studenten zu sprechen. Der Beitrag erh\u00e4lt mit Abstand den meisten Beifall auf der Veranstaltung.<\/p>\n<p><strong>16.10.79<\/strong><br \/>Die Fachschaft veranstaltet eine gut besuchte Einf\u00fchrungsveranstaltung. Dort werden die Anf\u00e4nger \u00fcber einige Dinge informiert, die von den Professoren bei der offiziellen Einf\u00fchrungsveranstaltung regelm\u00e4ssig weggelassen werden. Urteil zu den Ersatzgeldern im Chemiepraktikum. Die verlangte Kaution von 50 DM ist rechtswidrig. Aber die Universit\u00e4t legt Berufung ein, so dass wir vorl\u00e4ufig weiterhin die Kaution zahlen m\u00fcssen. Wegen der 30 DM f\u00fcr die Anfagsausr\u00fcstung wird sp\u00e4ter eine erneute Klage eingereicht werden.<\/p>\n<p><strong>Anfang Wintersemester<\/strong><br \/>Die Fachbereichsgruppe richtet einen Arbietskreis Prozesse ein. F\u00fcr das Chemiepraktikum gibt es mal wieder eine Warteliste. 8 Studenten k\u00f6nnen das Praktikum nicht belegen. Es wird vorgeschlagen, statt Physik auch ein anderes Nebenfach als Chemie zuzulassen, etwa Biologie, Astronomie oder einen Programmierkurs.<\/p>\n<p><strong>18.10.79<\/strong><br \/>Fortsetzung des Staab-Prozesses, Vernehmung von Leicht.<\/p>\n<p><strong>22.10.79<\/strong><br \/>Fortsetzung im Staab-Prozess, Vernehmung von Gerhardt und Pl\u00e4doyers. Im Pl\u00e4doyer des Staatsanwaltes werden Einzelstrafen von insgesamt 24 Monaten verlangt. Der Gesamtstrafantrag lautet auf 10 Monate ohne Bew\u00e4hrung. Im Urteil wird Matthias Staab wegen fortgesetztem Hausfriedensbruchs und Beleidigung zu 6 Monaten Gef\u00e4ngnis auf Bew\u00e4hrung verurteilt. Die Verteidigung legt Berufung ein.<\/p>\n<p><strong>ab 24.10.79<\/strong><br \/>Jeden Mittwoch im Semester findet ein Anf\u00e4ngertutorium zur Beratung bei Schwierigkeiten aller Art statt.<\/p>\n<p><strong>26.10.79<\/strong><br \/>Semesteranfagsfest in der Angewandten Mathematik. Das letzte Exemplar des Gerhardt-Steckbriefes wird versteigert. Es bringt knapp 150 DM f\u00fcr den Rechtshilfefonds der Fachschaft ein.<\/p>\n<p><strong>31.10.79<\/strong><br \/>Anf\u00e4ngerkaffee zum weiteren Kennenlernen und f\u00fcr weitere Informationen.<\/p>\n<p><strong>Oktober 79<\/strong><br \/>Offener Brief von 74 Lehramtsstudenten an den Dekan, in dem der Mangel an Seminaren f\u00fcr Lehramtsstudenten beklagt wird.<\/p>\n<p><strong>5.11.79<\/strong><br \/>Die Fachschaftsvertreterkonferenz der Uni beschliesst einen Aufruf f\u00fcr eine Podiumsdiskussion \u00fcber die Studentenprozesse.<\/p>\n<p><strong>7.11.79<\/strong><br \/>Der f\u00fcr diesen Tag angesetzte Prozesstermin wegen den Gerhardt-Auseinandersetzungen wird aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft m\u00f6chte zusammen mit anderen Anklagen gegen Tobias einen Mammutprozess vor der Grossen Strafkammer des Landgerichts. Das Landgericht zieht drei Anklagen vor der Grossen Strafkammer zusammen, 4 andere Anklageschriften werden wieder ans Amtsgericht zur\u00fcckverwiesen, darunter auch die Gerhardt-Anklage.<\/p>\n<p><strong>13.11.79<\/strong><br \/>Informationsveranstaltung der Fachschaft zu den Mathematikerprozessen in der Alten Krone. Es kommen \u00fcber 50 Studenten. Nur ein Professor, trotz vieler Einladungen. Es werden 80 DM f\u00fcr den Rechtshilfefonds gesammelt. Ein Offener Brief an Rektor Laufs wird verabschiedet.<\/p>\n<p><strong>13.11. \u2013 15.11.79<\/strong><br \/>Vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe beginne ca. 1 1\/2 Jahre nach Klageerhebung die ersten Verhandlungen \u00fcber die Rechtm\u00e4ssigkeit der Relegationen gegen die Fachschaft. Die Verfahren sind bis zum heutigen Zeitpunkt nicht abgeschlossen, weil Gerhardt in den USA ist. Er wird am 15.4.1980 vernommen werden.<\/p>\n<p><strong>27.11.79<\/strong><br \/>Die Fachschaft Mathematik beschliesst, den Rechtshilfefond in einer festen Form aufzubauen. Studenten, die den Kampf gegen die Strafanzeigen unterst\u00fctzen wollen, erkl\u00e4ren sich bereit einen regelm\u00e4ssigen monatlichen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<p><strong>12.12.79<\/strong><br \/>Der Fakult\u00e4tsrat Mathematik beschliesst, eine Empfehlung an den Rektor, die Strafanzeigen zur\u00fcckzuziehen. Allerdings mit einer Pr\u00e4ambel, in der jede Gewaltanwendung (gemeint sind die Aktionen der Studenten) verurteilt wird. Der Anfang, einen Aufenthaltsraum f\u00fcr Mathematiker einzurichten, also eine Teek\u00fcche f\u00fcr Studenten, wird vertagt. Die LPO-Kommission legt ihr Ergebnis vor, auf dessen Grundlage die Studienpl\u00e4ne f\u00fcr Lehramtsstudenten \u00fcberarbeitet werden sollen.<\/p>\n<p><strong>18.12.79<\/strong><br \/>4 Studenten sprechen mit dem Rektor \u00fcber die R\u00fccknahme der Strafanzeigen. Bei zwei Leuten sieht der Rektor keine Chance \u2013 sie seien Mitglieder der KHG, bei den anderen will er es sich \u00fcberlegen.<\/p>\n<p><strong>17.1.80<\/strong><br \/>Es findet eine Podiumsdiskussion (ohne den eingeladenen Rektor, er hatte eine Teilnahme abgelehnt) statt, allerdings mit einigen anderen Professoren und ca. 900 Studenten \u00fcber die Straf- und Ordnugsverfahren an der Universit\u00e4t Heidelberg. Die Professoren Theunissen und v. Beyme sprechen sich f\u00fcr eine \u201eGeneralamnestie\u201c aus, es wird eine Unterschriftensammlung an Rektor Laufs f\u00fcr die Zur\u00fccknahme aller Strafanzeigen eingeleitet.<\/p>\n<p><strong>21.1.80<\/strong><br \/>Anklage gegen Hermann Burmester wird erhoben, wegen zweimaligen Hausfriedensbruchs und N\u00f6tigung, sowie Diebstahls (eines St\u00fcck Papiers) in einem Fall. Zwischenbilanz des Rechtsbeihilfefonds: Kontostand 1236,48 DM. Im Dezember 49 regelm\u00e4ssig zahlende Mitglieder. Es wurden 347,35 DM gespendet.<\/p>\n<p><strong>25.1.80<\/strong><br \/>Beginn das zweiten Mathematikerprozesses geben Tibor Tscheke. Vernehmung von Gerhardt und Alt. Ein Brief von Prof. Waldenfels aus Kanada wird verlesen, in dem er erkl\u00e4rt, er k\u00f6nne sich an nichts mehr erinnern.<\/p>\n<p><strong>28.1.80<\/strong><br \/>In der Fortsetzung des Prozesses gegen T. Tscheke werden Prof. J\u00e4ger und Polizeiobermeister Trunk vernommen. Vernehmung der Entlastungszeugen in Tscheke-Prozess. 8 studentische Zeugen werden vernommen, sowie der Belastungszeuge Polizeikommissar Seitz. Der Fakult\u00e4tsrat Physik verabschiedet eine Resolution gegen die Strafprozesse. Der Hiwi-Ausschuss der Mathematiker tagt. Die Mittel f\u00fcr Hiwis sind vom Verwaltungsrat gek\u00fcrzt worden. Es gibt \u00fcberlegungen, wie man die Hiwi-Einstellungpolitik neu regeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>8.2.80<\/strong><br \/>Math-Phys-Fest im H\u00f6rsaalgeb\u00e4ude Physik. Der Institutsdirektor Krieger stellte die Angewandte Mathe nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>9.2.80<\/strong><br \/>Es werden Briefe von Studentenvertretern und einigen Angeklagten an den Rektor geschickt, mit der Frage, warum er nicht mit den Angeklagten selbst reden wolle, wie er es versprochen habe.<\/p>\n<p><strong>14.2.80<\/strong><br \/>Antwort des Rektors auf die Briefe vom 9.2. Ein Gespr\u00e4ch er\u00fcbrige sich, weil er doch keine Anzeigen zur\u00fccknehmen werde.<\/p>\n<p><strong>15.2.80<\/strong><br \/>Vernehmung eines weiteren studentischen Entlastungszeugen und die Pl\u00e4doyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Tscheke Prozess. Der Staatsanwalt sieht alle Anklagepunkte als erwiesen an und beantragt unter gn\u00e4digem Verzicht auf eine Gef\u00e4ngnisstrafe 210 Tagess\u00e4tze zu 33 DM (= 6930 DM). Die Verteidigung fordert Freispruch.<\/p>\n<p><strong>Ende des Semesters<\/strong><br \/>Im Physikpraktikum gibt es einige Proteste wegen der hohen Arbeitsbelastung. Neue Studienpl\u00e4ne werden ausgearbeitet, Roquette verteilt Entw\u00fcrfe zum Diplom und Staatsexamen. Die Diskussion dar\u00fcber ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>21.2.80<\/strong><br \/>Urteil gegen Tibor Tscheke vor dem Amtsgericht: Freispruch in drei der sieben aufrechterhaltenen Anklagepunkte. Durch Erh\u00f6hung der Einzelstrafen kommt Richter Simon auf 140 Tagess\u00e4tze a 30 DM (=4200 DM) Geldstrafe.<\/p>\n<p><strong>27.2.80<\/strong><br \/>Nach Ablehnung der Revision wird das Urteil gegen Tobias Br\u00fcckner wegen der Auseinandersetzungen um die Waldenfels-Vorlesung im WS 1975\/76 rechtskr\u00e4ftig. (600 DM Geldstrafe und 5 Monate Gef\u00e4ngnis auf 2 Jahre Bew\u00e4hrung)<\/p>\n<p>Prof. Puppe verspricht, sich beim Rektor f\u00fcr einige Angeklagte einzusetzen. F\u00fcr Matthias und Tibor k\u00f6nne er nichts tun, weil er sie nicht kenne, und f\u00fcr Tobias nicht, weil er ihn nicht leiden k\u00f6nnte. Anschliessend gehen J\u00e4ger, Roquette und Puppe zum Rektor Laufs. Der Rektor sei nur bereit, etwas gegen die Strafanzeigen zu unternehmen, so berichteten sie unter der Hand, wenn die Angeklagten eine Erkl\u00e4rung verfassen, in der sie \u201edie Angelegenheit nochmals \u00fcberdenken und die ganze Sache bereuen\u201c! Die Angeklagten geben tats\u00e4chlich eine Erkl\u00e4rung ab, die wohl nicht ganz im Sinne des Rektors ist, denn genauso wie gewisse Professoren an der mathematischen Fakult\u00e4t hielt der Rektor sein Versprechen nicht.<\/p>\n<p><strong>Anfang SS 80<\/strong><br \/>Professor Freitag k\u00fcndigt eine versch\u00e4rfte Leistungskontrolle in seiner Anf\u00e4ngervorlesung Analysis I an. Er nennt die Alternativen: entweder Klausur, oder versch\u00e4rfte \u00fcbungsgruppen.<\/p>\n<p><strong>Einige Wochen sp\u00e4ter<\/strong><br \/>In einer Diskussion l\u00e4sst Freitag abstimmen. Die grosse Mehrheit ist gegen eine Klausur. Statt dessen kommen aber jetzt die \u00fcbungsgruppen mit Anwesenheitspflicht und obligatorischen Vorrechnen an der Tafel. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben ist zu hoch.<\/p>\n<p>Im Laufe des Semesters finden noch mehrere Diskussionen \u00fcber die Bedingungen der Scheinvergabe statt, in denen Freitag sich jedoch nicht bereit zeigt, den studentischen Forderungen auch nur einen Schritt entgegenzukommen.<\/p>\n<p><strong>Ebenfalls zu Beginn des Semesters<\/strong><br \/>bringen die studentischen Vertreter im Fakult\u00e4tsrat Physik, sowie in Mathematik einen Antrag ein, in dem der jeweilige Fakult\u00e4tsrat den Rektor bittet, die Strafanzeigen zur\u00fcckzunehmen. W\u00e4hrend der Fakult\u00e4tsrat Physik dem Antrag zustimmt, gibt es im Fakult\u00e4tsrat Mathematik Schwierigkeiten. Hier kann man sich erst zu einer Erkl\u00e4rung durchringen, nachdem Dekan Roquette den Antrag unterschrieben hat. Nun distanziert man sich von \u201ealler Gewalt\u201c. Ausserdem will Roquette die Forderung nach R\u00fccknahme der Strafanzeigen nicht selbst dem Rektor \u00fcbermitteln und so arrangiert er ein Gespr\u00e4ch der studentischen Mitglieder im Fakult\u00e4tsrat mit dem Rektor.<\/p>\n<p><strong>Das Gespr\u00e4ch mit dem Rektor<\/strong><br \/>Nach einer stundenlangen Schilderung der Ereignisse in der Gerhardt-Vorlesung und der Bem\u00fchungen der Studenten, den Konflikt friedlich zu l\u00f6sen, erkl\u00e4rt sich Rektor Laufs dazu bereit, einige der Angeklagten zu empfangen. Mitglieder der KHG jedoch will er nicht sprechen, denn die haben es sich ja \u201eals Aufgabe gesetzt, den Unibetrieb zu st\u00f6ren\u201c. Leider ist bis heute keiner der Angeklagten in den zweifelhaften Genuss gekommen, mit dem Rektor zu sprechen. Auf das Podium einer geplanten Podiumsveranstaltung zu gehen ist er nicht gewillt: wenn da ein Mitglied der KHG s\u00e4sse, w\u00fcrde man zu Aussagen gedr\u00e4ngt, die man nicht so meine.<\/p>\n<p><strong>11.6. \u2013 13.6.80<\/strong><br \/>Die Fachschaftswahlen werden zugunsten einer uniweiten Wahl auf das Wintersemester verschoben. Die Wahlen der studentischen Vertreter in den offiziellen Gremien der Universit\u00e4t finden statt. Zum erstenmal k\u00f6nnen die linken Listen den Vorsitz im Senats\u201cAStA\u201c stellen. In der [\u2026] wird sich wiederum herausstellen, dass das Gremium \u201eSenatsAStA\u201c eine unf\u00e4hige Studentenvertretung ist. Von der langen Verweigerung der R\u00e4ume des Senats\u201cAStA\u201c bis hin zur Ablehnung der Referenten reicht die Palette des Rektors. Zum Beispiel gelangt kein Student in einen Ausschuss des kleinen Senats, der von der linken Liste vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<p><strong>Ende SS 1980<\/strong><br \/>Es gelingt den Studentenvertretern Physik einen Raum im Theoretikum zu erhalten (Geb. 365, Zi. 206).<\/p>\n<p>Etwa 10 von 50 H\u00f6rern der Vorlesung Analysis I erhalten den Schein nicht. Freitag besteht auf m\u00fcndlichen Nachpr\u00fcfungen bei den Betroffenen, die zu Beginn des Wintersemesters stattfinden sollen.<\/p>\n<p><strong>Anfang WS 1980\/81<\/strong><br \/>Die Mehrzahl derjenigen, die den Analysis I Schein nicht bekommen haben, geht freiwillig in die Vorlesung von Leinert zur\u00fcck. Von denen die sich der Pr\u00fcfung unterziehen, erhalten zwei den Schein endg\u00fcltig nicht.<\/p>\n<p><strong>13.10.80<\/strong><br \/>Prof. Puppe, das beste Pferd im Stall der Fakult\u00e4t, wenn es darum geht, Klausuren zu schreiben, h\u00e4lt wieder die Anf\u00e4ngervorlesung Lineare Algebra I. Noch immer scheint eine Steigerung der Studienversch\u00e4rfungen m\u00f6glich. Puppes Anforderungen an die Anf\u00e4nger:<\/p>\n<ol>\n<li>Von w\u00f6chentlich 6 Aufgaben m\u00fcssen 4 bearbeitet, 2 davon richtig gel\u00f6st werden.<\/li>\n<li>Anwesenheitspflicht in den \u00fcbungsgruppen incl. Mitarbeit.<\/li>\n<li>Bestehen einer Klausur.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Alle 3 Kriterien m\u00fcssen erf\u00fcllt sein, um den Schein zu erhalten. Damit die Klausur nicht von einer Tagesleistung abh\u00e4ngt, schl\u00e4gt Puppe gleich mehrere Klausuren vor. Doch nicht nur die Scheinvergabekriterien \u00fcbertreffen alles dagewesene, sondern auch die Begr\u00fcndung: Die Postfachschule in Diburg erkennt Scheine ohne Klausur nicht an. Allerdings ersetzt in Diburg die Klausur eine Zwischenpr\u00fcfung in Mathematik.<\/p>\n<p><strong>22.10.80<\/strong><br \/>Beginn des Prozesses gegen Hermann Burmester. Angeklagt ist er wegen Hausfriedensbruch und N\u00f6tigung, die er am 6.6. und am 13.6.78 begangen haben soll, sowie wegen Diebstahls eines Blattes Papier, ebenfalls am 13.6.78.<\/p>\n<p><strong>24.10.80<\/strong><br \/>Zweiter Prozesstag im Prozess gegen Hermann und Urteilsverk\u00fcndung gegen 20.30 h. Das Gericht verurteilt Hermann zu 5 Monaten ohne Bew\u00e4hrung!<\/p>\n<p><strong>27.10.80<\/strong><br \/>Prof. Puppe wird in der Anf\u00e4ngervorlesung zum Urteil angesprochen. In dieser Vorlesung gibt Puppe bekannt, dass er auf eine Klausur verzichtet, da \u201edie Gem\u00fcter jetzt doch viel zu erhitzt w\u00e4ren\u201c und ausserdem habe er in der Vorlesung \u201edoch Widerstand gesp\u00fcrt\u201c. Gleichzeitig k\u00fcndigt er an, dass er dennoch auf versch\u00e4rfen \u00fcbungsbetrieb beharrt.<\/p>\n<p><strong>Anfang bis Mitte November<\/strong><br \/>Die H\u00f6rer von Freitags Analysis II Vorlesung f\u00fchren eine Fragebogenaktion zur Vorlesung und den \u00fcbungen durch.<\/p>\n<p><strong>10.11.80<\/strong><br \/>Freitag reisst in seiner Eigenschaft als Institutsdirektor im Foyer der Reinen Mathematik eine Wandzeitung zum Thema Prozesse ab, die dort im Rahmen eines Infostandes zum Burmester Prozess aufgeh\u00e4ngt war. Er weigert sich, zu den Prozessen selbst Stellung zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>14.11.80<\/strong><br \/>In der Vorlesung auf den Vorfall vom 10.11. angesprochen, weigert er sich wieder Stellung zu nehmen, mit der Begr\u00fcndung, er d\u00fcrfe nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen. Jedoch auf das Thema Fachschaftswahlen angesprochen, k\u00fcndigt er indirekt weitere Strafanzeigen an f\u00fcr den Fall, dass Wahlurnen in der Reinen Mathe aufgestellt w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>24.11. \u2013 28.11.80<\/strong><br \/>In dieser Zeit finden uniweite Fachschaftswahlen statt. Gew\u00e4hlt wird an 9 Fachbereichen. Trotz teilweise massiver Behinderungen durch das Rektorat mit Androhungen von Strafanzeigen (z.B. am Di) lag die durchschnittliche Wahlbeteiligung deutlich \u00fcber 20%, also weit h\u00f6her als etwa bei Senatsasta Wahlen, oder anderen Bevormundugsgremien.<\/p>\n<p><strong>26.11.80<\/strong><br \/>Nach einiger M\u00fche konnte der Punkt \u201eProzesse\u201c auf die Tagesordnung des Fakult\u00e4tsrates Mathematik gesetzt werden. Die studentischen Vertreter stellen den Antrag eine Erkl\u00e4rung zu beschliessen, in der sich die Fakult\u00e4t prinzipiell gegen die strafrechtlichen Folgen von fakult\u00e4tsinternen Auseinandersetzungen ausspricht, den Rektor nochmals auffordert die Strafanzeigen zur\u00fcckzuziehen und schliesslich den Rechtshilfefonds durch teilweise \u00fcbernahme der Gerichtskosten entlastet. Die Diskussion wird nur dar\u00fcber gef\u00fchrt, ob man \u00fcberhaupt eine neue Erkl\u00e4rung beschliesst. Letztendlich verweist man auf alle \u201eVersuche\u201c das Dekans und der Professoren, den Rektor zur R\u00fccknahme der Strafanzeigen zu \u00fcberreden und f\u00fchrt sie als Beweis an, dass solche Erkl\u00e4rungen zu nichts n\u00fctze seien. Die Professoren lehnen also mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit die Diskussion einer neuen Erkl\u00e4rung ab, statt dessen w\u00e4rmen sie die alte wieder auf, in der man sich von allen \u201eGewaltt\u00e4tigkeiten\u201c distanziert und best\u00e4tigen diese noch einmal.<\/p>\n<p><strong>27.11. \u2013 8.12.80<\/strong><br \/>Berufungsverhandlungen von Tibor Tscheke, vor dem Landgericht. Verurteilt wurde er wegen presserechtlicher Verantwortlichkeit, Hausfriedensbruch, N\u00f6tigung usw. Ein Teil der Anklagepunkte war eingestellt worden unter der Bedingung, dass Tibor auf die Revision verzichtet. Das Urteil von 120 Tagess\u00e4tzen a 20 DM ist somit rechtskr\u00e4ftig. Tibor muss zudem die Gerichtskosten \u00fcbernehmen und 2\/3 der Flugkosten von C.G., das sind 3200, der eigens zur Vernehmung 1. Klasse aus Amerika eingeflogen wurde. Das Urteil gegen Matthias Staab \u2013 6 Monate mit Bew\u00e4hrung \u2013 ist ebenfalls rechtskr\u00e4ftig, da die Berufung von beiden Seiten am 1. Prozesstag zur\u00fcckgezogen wurde.<\/p>\n<p><strong>2.12.80<\/strong><br \/>Podiumsdiskussion zum Thema \u201eProzesse\u201c. Zum erstenmal ist es an der mathematischen Fakult\u00e4t m\u00f6glich eine \u00f6ffentliche Veranstaltung zu einem solchen Thema zu machen. Zum einen sollen die j\u00fcngeren Semester informiert werden, zum anderen soll beraten werden wie in Zukunft solche Auseinandersetzungen vermieden werden, und was konkret gegen die Prozesse unternommen werden kann. Es hat sich allerdings gezeigt, dass die Fakult\u00e4tsleitung Roquette und J\u00e4ger \u2013 beide hatten sich geweigert aufs Podium zu gehen \u2013 auch weiterhin nicht bereit ist die Kampfmassnahmen der Studenten gegen eine Klausur, als rechtm\u00e4ssig anzuerkennen. Im Gegenteil: alle anwesenden Professoren ausser Prof. Klingmann berufen sich immer wieder auf die sogenannten demokratischen Spielregeln, die auch bei Auseinandersetzungen an der Uni eingehalten werden m\u00fcssten, was nichts anderes heisst, als bedingungslose Unterwerfung der Studenten unter die Macht der Professoren.<\/p>\n<p><strong>3.12.80<\/strong><br \/>Der erstinstanzliche Prozess gegen Tobias Br\u00fcckner beginnt. Angeklagt ist er in 7 Punkten (wie immer Hausfriedensbruch und N\u00f6tigung).<\/p>\n<p><strong>Anfang bis Mitte Dezember 80<\/strong><br \/>Unter den Professoren der mathematischen und der physikalischen Fakult\u00e4t wird eine Unterschriftensammlung durchgef\u00fchrt. In der Physik st\u00fctzt sich diese Aktion auf eine Erkl\u00e4rung des Fakult\u00e4tsrates vom Februar. Einige Profs weigern sich zu unterschreiben, ohne dass auch die angeklagten Fachschaftsvertreter unterzeichnen. Es zeigt sich, dass die Fakult\u00e4t auf einer ganz bestimmten Interpretation ihrer eigenen Erkl\u00e4rung besteht, n\u00e4mlich der, dass die Studenten in Zukunft auf Kampfmassnahmen in jedem Fall verzichten. Nur unter dieser Bedingung wollen sich die Physikprofs f\u00fcr die Angeklagten einsetzen.<\/p>\n<p><strong>15.12.80<\/strong><br \/>Puppe teilt einen anonymen Test aus, in dem mathematische Fragen und solche wie \u201ewas haltet ihr von Klausuren\u201c enthalten sind. In Point (SDR 3) wird ein Beitrag \u00fcber die Mathematikerprozesse in Heidelberg gesendet, der sich eindeutig gegen die Strafverfolgung von Studentenvertretern richtet.<\/p>\n<p><strong>Ab 15.12.80<\/strong><br \/>In den Vorlesungen wird eine Spendensammlung zu Gunsten des Rechtshilfefonds durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong><br \/>Im Februar und M\u00e4rz n\u00e4chsten Jahres finden die Prozesse gegen Henry M\u00fcller und Thomas Lutz statt. Beide sind ebenfalls in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Gerhardt Klausur angeklagt. Das Strickmuster der Anklage ist bestens bekannt: Hausfriedensbruch, N\u00f6tigung, Beleidigung usw.<\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chronik der Studentenprozesse von WS 77\/78 bis WS 80\/81Math-Phys-Kommentar von 1981 17.10.77Prof. Roquette h\u00e4lt vor ca. 300 Studenten die \u00fcbliche Einf\u00fchrungsveranstaltung. 220 der anwesenden Studenten sind Anf\u00e4nger. Sie erwarten eine Information, die es ihnen erm\u00f6glicht, sich im Institut zurechtzufinden und ins Studium einzusteigen. 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